Im Juli 2022 traf ein Ransomware-Angriff ein großes deutsches Krankenhaus. Was in der Wirtschaft ein teurer Betriebsausfall wäre, hat im Gesundheitswesen eine andere Dimension: Hier kann ein IT-Ausfall unmittelbar die Versorgung von Patientinnen und Patienten gefährden.
Wenn die Klinik auf Papier umstellen muss
Moderne Krankenhäuser sind durchgehend digitalisiert – elektronische Akten, Laborwerte, Befunde, OP-Planung, oft auch vernetzte Medizingeräte. Verschlüsselt Ransomware diese Systeme, bricht der gewohnte Ablauf zusammen: Aufnahmen verzögern sich, planbare Eingriffe werden verschoben, die Notaufnahme muss womöglich abgemeldet und Patienten in andere Kliniken umgeleitet werden. Aus einem IT-Vorfall wird so eine Frage der Patientensicherheit.
Warum Kliniken ein bevorzugtes Ziel sind
Krankenhäuser speichern hochsensible Gesundheitsdaten – auf dem Schwarzmarkt besonders wertvoll und für Erpressung geeignet. Gleichzeitig erzeugt die unmittelbare Versorgungsrelevanz enormen Druck, schnell wieder handlungsfähig zu werden. Diese Kombination macht Kliniken für Angreifer attraktiv. Größere Häuser gelten zudem als Kritische Infrastruktur (KRITIS) mit entsprechenden Schutz- und Meldepflichten.
Schutz, der im Gesundheitswesen zählt
- Netzsegmentierung: Verwaltungs-IT, klinische Systeme und Medizingeräte strikt trennen, damit ein Angriff nicht auf lebenswichtige Technik übergreift.
- Geübte Notfallkonzepte: Papier-Ersatzprozesse und Absprachen mit Nachbarkliniken – regelmäßig trainiert.
- Strenge Zugriffsrechte und Überwachung sensibler Systeme.
- Getestete Backups der klinischen Kernsysteme für eine schnelle Wiederherstellung.
Fazit
Im Krankenhaus ist Cybersicherheit Teil der Patientensicherheit. Wer klinische Netze segmentiert, Notfallkonzepte trainiert und Backups testet, sorgt dafür, dass ein Angriff die Versorgung stört – aber nicht gefährdet. Das ist im Gesundheitswesen kein IT-Thema, sondern Verantwortung gegenüber den Patienten.
Quelle: heise online