Wenn ein Unternehmen einen Ransomware-Angriff bemerkt, ist es meist schon zu spät: Die Bildschirme zeigen die Lösegeldforderung, die Daten sind verschlüsselt. Doch der eigentliche Angriff begann oft Wochen vorher – mit einer offenen Tür. Wer versteht, wie Ransomware hereinkommt, kann sie aussperren, bevor Schaden entsteht.
Die drei häufigsten Einfallstore
1. Phishing-Mails. Der Klassiker: Eine Mail mit schädlichem Anhang oder Link, getarnt als Rechnung, Bewerbung oder Nachricht eines Kollegen. Ein einziger unbedachter Klick genügt, um die erste Schadsoftware zu installieren.
2. Offene Fernzugänge. Besonders gefährlich sind ungesicherte Remote-Desktop-Zugänge (RDP), die direkt aus dem Internet erreichbar sind. Angreifer scannen automatisiert danach und knacken schwache Passwörter per Brute-Force.
3. Ungepatchte Schwachstellen. Veraltete Software in öffentlich erreichbaren Systemen – etwa VPN-Gateways oder Webserver – bietet bekannte Lücken, für die längst Exploits existieren.
Der unsichtbare Teil des Angriffs
Anders als viele denken, folgt die Verschlüsselung nicht sofort. Nach dem ersten Zugang bewegen sich Angreifer oft tage- bis wochenlang unbemerkt durchs Netzwerk: Sie verschaffen sich höhere Rechte, suchen die wertvollsten Daten und kopieren sie heraus. Erst am Ende schlagen sie zu. Genau diese Verweildauer ist die Chance der Verteidigung – wer ungewöhnliche Aktivitäten früh erkennt, kann den Angriff abbrechen, bevor er eskaliert.
So schließen Sie die Tür
- Mehr-Faktor-Authentifizierung auf allen Fernzugängen und wichtigen Konten – die wirksamste Einzelmaßnahme.
- Fernzugänge nur über VPN, niemals RDP offen ins Internet.
- Zeitnahes Patch-Management für alle erreichbaren Systeme.
- Phishing-Schulungen, damit die häufigste Einstiegsmail erkannt wird.
- Angriffserkennung (EDR), um die unsichtbare Phase sichtbar zu machen.
Fazit
Ransomware ist kein plötzliches Unglück, sondern das Ende einer Kette, die mit einer einzigen offenen Tür beginnt. Unternehmen, die ihre Fernzugänge absichern, konsequent patchen und ihre Mitarbeitenden schulen, nehmen Angreifern die Einstiegswege – und damit die Grundlage des gesamten Angriffs.
Quelle: BSI Lagebericht 2022